Börsen-Zeitung 28.07.09
Ungewöhnliche Kursbewegung der Landeswährung vor offizieller Bekanntgabe von Konjunkturdaten
Insider haben in Kanada wahrscheinlich monatelang auf der Basis durchgesickerter statistischer Informationen aus Behörden illegale Transaktionen am Devisenmarkt getätigt. Schon seit Jahresbeginn vermuten Marktteilnehmer, dass aufgrund undichter Stellen bei Statistics Canada oder vorab informierter Bundesministerien mit Exklusivinformationen über die jüngsten Arbeitsmarkt- und Inflationszahlen satte Gewinne im Handel mit dem Loonie eingestrichen wurden. In dem Marktsegment werden täglich knapp 40 Mrd.
Notenbank gewarnt
Demnach diskutierten zwischen dem 17. April und dem 28. Mai Topmanager der Notenbank verschiedene E-Mails, in denen sie über möglichen Insiderhandel gewarnt worden waren. Den Unterlagen zufolge bestätigte der Direktor der Finanzmarktabteilung der Notenbank dem stellvertretenden Gouverneur David Longworth am 8. Mai, dass die in einem der externen E-Mails genannte Vorabzahl zwar nicht absolut korrekt war, aber den von Analysten damals unerwarteten Zuwachs in der Beschäftigung wiedergab. Eine wichtige Information, die an diesem Tag die Richtung des Handels bestimmte. Am 8. Mai legte der Kanada-Dollar im vorbörslichen Handel - vor der Publikation der jüngsten Statistik - um 0,7 % zu. Sein Wechselkurs gegenüber dem Greenback stieg nach der offiziellen Veröffentlichung der Zahlen um 1,8 % weiter an. An diesem Tag, so berichtete ein Marktteilnehmer der Notenbank, sei der Umsatz im Handel mit Kanada-Dollar bei einigen Brokern bis auf das Zehnfache des üblichen Volumens angestiegen. Statistics Canada hat nach eigenen Angaben im Mai zwei Mal eine interne Untersuchung durchgeführt und keine undichte Stelle im Haus gefunden. Doch das Management scheint alarmiert zu sein. Den von Bloomberg erhaltenen Unterlagen zufolge hat Statistics Canada am 19. Mai bei der Notenbank umfassende Angaben über den Handel mit kanadischen Dollar angefordert. Das Interesse konzentriert sich bis zum 5. Dezember zurück auf jene Handelstage, an denen die besagten Statistiken publiziert wurden. Bei der Notenbank hält man sich mit öffentlichen Äußerungen über das mögliche Datenleck zurück. "Die Bank of Canada ist nicht autorisiert, darüber zu befinden, ob es bei Statistics Canada eine undichte Stelle gab", so Jeremy Harrison, Sprecher der Bank. Die undichte Stelle könnte derweil in anderen Ministerien zu finden sein, darunter dem Finanzministerium, wo die Zahlen über den Arbeitsmarkt und die Inflation bereits einen Tag vor der Publikation bekannt sind. Hinweise darauf gibt es derzeit nicht. Doch David Watts erinnert sich an den sorglosen Umgang von Finanzminister Jim Flaherty mit den Zahlen über den Arbeitsmarkt im März.
"Nicht ermutigend"
Der Bericht enthüllte einen Verlust von 61 300 Jobs. Am Tag zuvor hatte Flaherty geäußert, die Zahlen seien nicht "ermutigend". Die internen Untersuchungen bei Statistics Canada erstreckten sich nach Behördenangaben nicht auf die Vorabversionen, die regelmäßig an andere Regierungsbehörden weitergegeben werden. Aus den nun bekannt gewordenen Dokumenten geht nicht hervor, ob sich die Regulierungsbehörden oder die kanadische Bundespolizei RCMP eingeschaltet und eine Untersuchung eingeleitet haben. Die RCMP-Sprecherin Pat Flood will nicht bestätigen, ob ermittelt wird. Der Sprecher der Bank of Canada gibt an, ihm sei nichts über eine Untersuchung bekannt.
Börsen-Zeitung, 28.07.2009, Autor Markus Gärtner, Vancouver, Ausgabe Nr. 141, Seite 17, 589 Worte
URL zum Artikel: http://www.boersen-zeitung.de/index.php?li=1&artid=2009141174
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