Am besten lernt man, wenn etwas nicht nach dem Lehrbuch verläuft, wenn völlig Unerwartetes passiert oder die Dinge so richtig schief gehen. In meinen 20 Jahren als Wirtschaftsjournalist - fundiert durch ein VWL-Studium in München - brach immer kurz nach dem "Dienstantritt" ein Feuer aus:
Meiner Ankunft in München als Bayernreporter des Deutschlandfunks folgte 1989 der Fall der Mauer; der Aufnahme meiner Berichterstattung für DIE WELT und die ARD in Kuala Lumpur folgte 1997 umgehend die Asienkrise; kaum hatte ich das Büro des Handelsblatts in Peking eingerichtet, löste 1999 der GITIC-Kollaps eine Finanzkrise aus; die längste Schonzeit für die Eingewöhnung blieb in Vancouver, als "Freier" in Nordamerika für einige deutsche Zeitungen: Erst drei Jahre nach dem Umzug implodierte 2007 der US-Immobilienmarkt, dessen Subprimedebakel zunächst die Kreditwirtschaft und dann die gesamte Weltkonjunktur in seinen Strudel zog.
Wenn es lichterloh brennt, laufen Journalisten, zumal freie, zur Hochform auf - und lernen. Ich habe zwei Jahrzehnte lang auf Kosten "meiner" Leser studiert, wie Bankensysteme funktionieren, und fast zusammenbrechen, wie Ölsand in Benzin umgewandelt wird und ein Chemiewerk aus Naphta Vorprodukte für die Produktion von Plastik gewinnt. Aber auch, wie man Bürogebäude managt, ein Bison filetiert und das hektische Gewusel in Börsensälen zu interpretieren hat.
Daraus sind profunde volkswirtschaftliche Kenntnisse entstanden. Auch mehr handwerkliche Fertigkeiten: An Mikrofonen der ARD habe ich 12 Jahre lang die Versiertheit für Vorträge gewonnen und die Souveränität, um bei Fachmessen Experten-Panels kenntnisreich und gut verständlich durchs Programm zu führen. Aus dem journalistischen Tagesbetrieb sind neue Tätigkeiten erwachsen: Das Redigieren von Geschäftsberichten, das Verfassen von Standort- und Aktienanalysen, Gastbeiträge für Kundenmagazine - auch professionelles Fotografieren. Und schließlich ein Grafikdienst für Charts, die wichtige Vorgänge in der Weltwirtschaft illustrieren.
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